August 04, 2007

Urlaub wird gestrichen

Passend zur Urlaubszeit entfaltet der DIHK eine neue Blüte neoliberalen Wunschdenkens:

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Arbeitnehmer in Deutschland aufgefordert, in der Urlaubszeit Weiterbildungskurse zu belegen. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte der Zeitung "Die Welt": "Wir haben zusammen mit Schweden die meisten Urlaubs- und Feiertage - da ist genug Luft für beides: Erholung und Weiterbildung. Die Arbeitnehmer in Deutschland müssen mehr Ferien- und Freizeit in ihre Weiterbildung investieren - gerade auch vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels."
DIHK erwartet von Arbeitnehmern Weiterbildung im Urlaub
| via ngo-online |

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Juli 31, 2007

Wenig Sex, viel Arbeit

überschreibt die aktuelle Apotheken Umschau eine neue Studie der Universität Göttingen im projekt theratalk.

Demnach stürzen sich 36% der Männer und 35% der Frauen, die maximal einmal in der Woche Sex haben, in Arbeit und Aktivitäten, um den Frust über ihr Sexleben in der Partnerschaft zu vergessen. Wenn es gar nicht mehr zum Sex kommt, ist es sogar noch schlimmer: 45% der Männer und 46% der Frauen stürzen sich dann freiwillig in den Stress. Wer die schönste Sache der Welt dagegen mindestens zweimal in der Woche erleben kann, will sich gar nicht in die Arbeit stürzen: Lediglich 5% der Männer und 5% der Frauen in dieser Gruppe, bei denen jedoch aus anderen Gründen eine hohe sexuelle Unzufriedenheit vorliegt, suchen den Stress aus freien Stücken.

Dieser Befund gibt Anlass zur Besorgnis. Dass Stress sich negativ auf das Sexleben auswirkt, wurde schon oft belegt. Wenn wenig Sex nun aber auch umgekehrt den Stresspegel erhöht, entsteht leicht eine Abwärtsspirale, aus der man nur schwer wieder herausfindet. Denn dann verhindert der Sexfrust, dass der Stress wirksam gesenkt werden kann. Probleme macht auch die Langfristigkeit: Aus sexuellem Frust werden häufig Verpflichtungen übernommen, die man nur schwer wieder los wird. Zum Beispiel Ämter in einem Verein. Die dadurch fehlende Zeit für die Partnerschaft wirkt sich negativ auf die sexuelle Zufriedenheit aus, und so wird der Zustand oft unbeabsichtigt einzementiert.
Wenig Sex verursacht Stress | Pressemitteilung theratalk |
weitere Artikel dazu im ooblog
> Mit "Sexercise" gesund durch den Alltag
> Erotische Lähmung
> Karoshi, Tod durch Überarbeitung

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Februar 13, 2007

Lohnnebenkosten : die Wirklichkeit zerstört einen Mythos

Die nüchternen Zahlen widersprechen der gängigen Propaganda: 'Anteil der Lohnnebenkosten in Deutschland unter EU-Durchschnitt' lautet die Kernaussage des Statistischen Bundesamts in der jetzt veröffentlichten Studie 'Lohnnebenkosten im europäischen Vergleich' (pdf, 96 kb).

"In Deutschland legen die Arbeitgeber je 100 Euro (an die Arbeitnehmer ausbezahlten) Bruttolohn 33 Euro obendrauf. In der Europäischen Union (EU 27) lag der Wert mit 36 Euro gut 3 Euro höher. Betrachtet man ausschließlich die bei uns täglich kritisierten gesetzlich auferlegten Lohnnebenkosten, so kommt das Statistische Bundesamt gar nur auf einen Wert von 20 Euro. Bei diesen gesetzlichen Aufwendungen der Arbeitgeber liegt Deutschland an 17. Stelle der 27 verglichenen EU Staaten," fasst es Wolfgang Liep auf den NachDenkSeiten zusammen. ... 'Und die „Mietmäuler“ in der Wissenschaft und in den Medien werden sich weiter den Mund über die angeblich zu hohen Löhne und die viel zu hohen Lohnnebenkosten wie eine Mantra nachbeten.'

Realität ist, dass die Reallöhne in den letzten Jahren gesunken sind: 'Während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen laut Statistik 2006 um 6,9 Prozent zulegten, stiegen die Arbeitnehmerentgelte im Schnitt nur um 1,3 Prozent' Klaus Stark in Die Schere öffnet sich weiter/MA.

Realität ist ebenfalls die Tendenz der neoliberalen Reformpolitik: 'Für 2007 erwarten die Analysten im Schnitt von den Dax-Unternehmen eine Steigerung der Unternehmensgewinne um rund 12 Prozent. ... Dank der vom Jahr 2008 an geltenden Unternehmensteuerreform können Aktionäre mit höheren Nettogewinnen und damit auch höheren Dividenden der Unternehmen rechnen.' ham. in Steuerreform läßt Dax-Gewinne 2008 steigen/FAZ.net

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Dezember 11, 2006

Freiheit des Tagelöhners

"Wer jobbt, ist nicht nur frei, sondern auch frei verfügbar. Beim Messebau arbeiten Studenten, Hazadeure und Gestrandete - sie werden tageweise angeheuert und sind jederzeit kündbar."
Frei sein, schwitzen, rausfliegen, Otto Witte im Freitag 49

Nach zwei Wochen hat SPON das Thema ebenfalls entdeckt, und Markus Deggerich spricht sensationsgeil vom Arbeiterstrich, auf dem sich "auch Deutsche als Tagelöhner zu Dumpingpreisen" anbieten, "Wie ein Stück Fleisch"

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November 21, 2006

Mindestlohn für alle EU-Bürger?

Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker hat sich für eine soziale Grundsicherung ausgesprochen.
"Jeder, der in einem EU-Mitgliedsland wohnt, hat Anspruch auf ein Mindesteinkommen", Juncker in einem Interview der FR.

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November 14, 2006

Rentner für leichte Kurierfahrten gesucht

Minijobs dieser Art werden zahlreich in den Anzeigen-Blättchen angeboten, allerdings muß es sich dabei nicht immer um seriöse Arbeitsangebote handeln:
Ein Kleinbus voll Heroin im Wert von mehr als einer Million Euro beschäftigt das Landgericht in Kleve. Am Steuer des Busses saß ein Rentner aus Remscheid.
beschreibt die Netzeitung einen solchen Fall. Interessant ist es, diesen 'Artikel' mit der originalen Pressemeldung des Krefelder Zolls zu vergleichen.
Weitere Pressemitteilungen, z.B. über Weihnachtskokain.

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November 11, 2006

Karoshi, Tod durch Überarbeitung

Am Hauptsitz eines der weltgrößten Elektronikkonzerne erschoss sich ein Manager um elf Uhr abends. Auf einem Abschiedszettel beklagte er sich über grausam lange Arbeitszeiten. Andere kollabieren nach 16-Stunden-Tagen auf dem Heimweg oder werden am Wochenende notfallmäßig ins Spital eingeliefert.
Das japanische Phänomen beschreibt Marco Kauffmann in Japanaer schuften sich zu Tode für die taz.

Nach Aussagen von Dr. Elisabeth Kärcher ist Karoshi "in Japan eine berufsbedingte Erkrankung – mit dem Anrecht auf Versicherungsschutz. Dazu gehören auch Todesfälle, die am Ende durch Schlaganfall oder Herzinfarkt geschehen."

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November 01, 2006

Ein katholischer Feiertag

Ein katholischer Feiertag ist besser
als zehn evangelische Arbeitstage.
Volksweisheit

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Oktober 25, 2006

Die Gleichung Arbeit = Leben kann nicht aufgehen

Nach drei Jahrzehnten Massenarbeitslosigkeit sollten wir den Glauben an die Lohnarbeitsgesellschaft aufgeben, meint der Berliner Kulturphilosoph Wolfgang Engler. Die Gleichung Arbeit = Leben geht nicht mehr auf.
"Das ist totes Denken" Wolfgang Engler im Gespräch mit der taz

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Oktober 24, 2006

Teilhabe durch Teilzeit

In Deutschland wird aktuell eine Geisterdebatte um Begriffe wie Armut und Unterschicht geführt.
Es wird mehr um politisch korrekte Begrifflichkeiten gestritten, als um die Frage, was denn zu tun ist gegen die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich und die Aussonderung eines größer werdenden Teils der Bevölkerung. Verhungern muß hierzulande dank sozialer Sicherungssysteme niemand, doch ein lebendiges Interesse am gesellschaftlichen Leben kann nur durch ein Gefühl von Zugehörigkeit und aktive Teilhabe entstehen.
in Teilhabe durch Teilzeit, Matthias Brake für telepolis

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Oktober 10, 2006

Arbeitsunwilligkeit, das seltene Phänomen

kommentiert selbst das Handelsblatt eine aktuelle Pressemitteilung des DLT:
In der Diskussion um Leistungskürzungen für arbeitsunwillige Langzeitarbeitslose hat der Deutsche Landkreistag erstmals konkrete Zahlen vorgelegt. Die Daten zeigen, dass die Debatte eine ziemliche Spiegelfechterei ist: Bundesweit gibt es gerade ein paar tausend Fälle.
Parallel heizen Unions-Politiker erneut die Missbrauchsdebatte an, und forden schärfere Leistungskürzungen für arbeitsunwillige Hartz-IV-Empfänger, die SPD will die Vorschläge 'sorgsam prüfen'.

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Oktober 03, 2006

Zeit ist menschliches Leben

"Der Schweizer Soziologe Jean Ziegler reist als UNO-Sonderberichterstatter in die Länder, die von Hunger und Not betroffen sind. Wird dort das jüngste offiziell deklarierte Menschenrecht auf Nahrung wirklich respektiert? Seine Erlebnisse und Berichte sind schonungslos und offen - offen wie sein ganzes Wesen, das die Augen nicht vor den Belangen der Welt verschließt und nicht schweigt, wo andere keine Sprache mehr finden."
ZUKUNFT DER ARBEIT X : Jean Ziegler | via a tempo 82 | 700kb, pdf
weitere Interviews zur ZUKUNFT DER ARBEIT | a tempo |

Das Imperium der Schande
Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung
Jean Ziegler, Bertelsmann 2005, 320 S, EUR 19,90 | amazon |

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September 04, 2006

Profitieren von Unsicherheit und Krieg

In der "modernen Kriegsführung" lassen sich militärische und zivile Interessen und Akteure sind nicht mehr voneinander trennen, geschweige denn, voneinander unterscheiden. Privaten Sicherheitsunternehmen werden zunehmend militärische Aufgaben übertragen und an sich zivile Tätigkeiten wie das Fahren von LKWs bedürfen einer militärischen Ausbildung und Ausrüstung sowie der Bereitschaft, im Zweifelsfalle davon Gebrauch zu machen.
Private Militärdienstleister wollen künftig ganze Armeen auf den Markt bringen.
Profitieren von Unsicherheit und Krieg von Birgit Gärtner für telepolis

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August 14, 2006

Warnung an alle, nicht nur Arbeitslose

Arbeitslose sterben früher

mit diesen knappen Worten wird von Handelsblatt bis Fuldainfo (mit zynischem Grabschmuckfoto) eine aktuelle meinungsmachende 'Studie' der Universität Leipzig zitiert. Klartext für Arbeitslose, die gefälligst jede Arbeit annehmen sollen. Die vermeintlichen Erkenntnisse, dass sich Arbeitslose aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen, und der psychische Druck krank machen kann, sind so alt wie das Thema Arbeitslosigkeit nach Zeiten der sogenannten Vollbeschäftigung.

Arbeitslose haben demnach eine kürzere Lebenserwartung als Erwerbstätige. Ursachen seien vor allem Depressionen und Suchtkrankheiten wie Alkoholismus, bei Frauen auch Tablettensucht, Erschöpfungssymptome und Bluthochdruck bis hin zum Herzinfarkt. Der Leiter des Instituts für medizinische Psychologie, Elmar Brähler, erklärte sich mit diesen 'wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen' zuerst der Zeitschrift 'Super Illu', dem auflagenstarken Zentralorgan des Ostens, das eher durch eine Falschmeldung 'Tod in der Super-Illu', als durch wissenschaftliche Artikel 'Alkohol lässt Engländer zehn Monate früher sterben' auffällt.

Die Arbeitssuchenden verzweifeln nach erfolglosen Bewerbungsversuchen, "und beginnen sich aufzugeben". Sie verlieren die soziale Integration und damit den eigenen Stellenwertes in der Gesellschaft. Krank werden könne aber schon jemand, der zwar einen Job, aber auch große Angst vor der Arbeitslosigkeit habe. "Auch so etwas schädigt die Gesundheit", betonte Brähler.

Interessant ist an diesen stimmungsmachenden, journalistisch meist unbearbeiteten und mittels news-aggregator übernommenen Zeilen eigentlich nur der Zeitpunkt der Veröffentlichung am Ende des innenpolitischen Sommerlochs. Mit Wortmeldungen zu Hartz4-Verschärfungen und Arbeitsdienst für Arbeitsunwillige wurde die Stimmung in den letzten Wochen aus den hinteren Reihen des Parlaments hoch gehalten.

Die Suggestion der Angst vor dem Jobverlust und der Vorstellung von einem leidvollen Leben an der Armutsgrenze bis zum Tod ist der bewusste Unterton dieser gefälligen 'Studienergebnisse'. Die Entlastung vom Arbeitszwang und Erfüllung eines jahrhundertealten Traums gilt es als Triumph zu feiern, und die Möglichkeiten eines bedingungslosen Grundeinkommens zu erörtern. Ein Arbeitsloser ist nicht unglücklich, weil er keine Arbeit hat, sondern weil er kein Geld hat, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Der nicht konsumierende kranke Arbeitslose ist in der Rentabilitätsrechnung dieser Gesellschaft lediglich ein doppelter Kostenfaktor.

Willfährige Lemminge, die die vermeintliche 'Studie' nachplappern, finden sich mit der Google-Suche Arbeitslose sterben früher

Andere Artikel zu diesem Thema:
Arbeitslos und verunglimpft - ein kalkuliertes Zahlenspiel
Hartz IV ist offener Strafvollzug

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Juli 04, 2006

Das digitale Proletariat

Die neue Arbeitswelt? Nach wie vor gilt, dass durch eigene Arbeit niemand reich wird und wer das nicht glaubt, soll bei der Bank für Arbeit und Wirtschaft Ag nachfragen. Aber während die Reichen reicher werden und die Armen ärmer, können die globalen Eliten die Armen jetzt mittels neuer Technologien besser und billiger kontrollieren.
weiter... | via matrix.orf.at |
Eine matrix.Kolumne von Konrad Becker

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Juni 22, 2006

Arbeitsdienst, Arbeitsdienst, Arbeitsdienst

ich-ag der woche
Stefan Müller macht sich Sorgen. Vielleicht darüber, dass er irgendwann einfach nicht mehr gebraucht wird. Schließlich ist er schon 30 Jahre alt. Dass Deutschland ihm eines Tages sagt: du bist überflüssig, das könnte er bestimmt nicht ertragen. weiter...
Nicole Tomasek in Jungle World 25

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Juni 12, 2006

Arbeitslos und verunglimpft - ein kalkuliertes Zahlenspiel

wedding 8

Gerade rechtzeitig vor dem nationalen Fußballrausch hat der Bundestag das 'Gesetz zur Fortentwicklung der Grundsicherung für Arbeitsuchende' ('Optimierungsgesetz') beschlossen, da wettern nicht nur Unions-Politiker für weitere Einschnitte. Beeindruckend in ihrer Trivialität war Kurt Becks Ermahnung von Hartz-IV-Empfängern zu mehr Anstand, und 'nicht alles herauszuholen, was geht'.

Wenn CDU-Fraktionschef Volker Kauder die Arbeitsbereitschaft von ALG2-Antragstellern mit der Konfrontation eines 'Sofortangebotes' testen will, und Leistungskürzungen mit dem Generalverdacht des Missbrauchs begründet werden, dann formt man damit eine kollektive Stimmung, deren Ziel die Kriminalisierung zunehmender Bevölkererungsschichten ist. Populistische Mythenbildung ist schneller betrieben, als tiefgreifende Veränderungen zu entwickeln.

'Im Frühsommer 2006 sind die Unternehmen so positiv gestimmt wie seit dem Wiedervereinigungsboom nicht mehr', erklärt dagegen eine aktuelle Konjunkturumfrage. Die Arbeitslosigkeit werde nach der Erwartung des DIHK im Jahresdurchschnitt um rund 300.000 zurückgehen. Dies sei aber leider nur zu einem geringen Teil auf einen Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zurückzuführen, stattdessen trügen auch eine Ausweitung der Ein-Euro-Jobs und statistische Bereinigungen im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktreform Hartz 4 zu dem Rückgang bei. Alles nur ein statistisches Problem?

Die 'Optimierung der Optimierung' wird Hartz 5 lauten, und weiterhin den Namen des ehemaligen Leiters der Kommission 'Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt' führen. Gegen Peter Hartz wurde im Oktober 2005 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue im Rahmen der VW-Korruptionsaffäre eingeleitet. Die Moral der Manageretage wird Beck beim Appell an die Masse vermutlich nicht gemeint haben.

Der 'Bundestag beschließt staatlich verordnetes Verhungern' (Claudia Klinger) | via Schockwellenreiter | und die bundesweite öffentliche Aufmerksamkeit ist ein zustimmendes Lächeln. "Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen" zitierte erst kürzlich Arbeitsminister Franz Müntefering die Bibel. Bei den desillusionierten und diskriminierten Betroffenen erhebt sich bisher nur zaghafter Protest gegen weiteren Sozialabbau; Telefon-Überwachung und Aufenthaltspflicht werden zum Alltag.

Die 356 bundesweiten Job-Center sollen durch den Einsatz von kostenintensiven 'Außen- und Prüfdiensten' jährlich 200 'Missbräuche' aufdecken. Die Bundesregierung erwartet nach Verabschiedung des 'Hartz-4-Fortentwicklungsgesetz' Leistungskürzungen von bis zu 500 Millionen Euro. Dagegen hat die Bundesagentur für Arbeit die Hoffnung der Bundesregierung auf massive Einsparungsmöglichkeiten bei Hartz 4 gedämpft. Nach ihren Angaben seien lediglich 26 Millionen Euro an Leistungen zu Unrecht ausgezahlt worden, das sind nur etwa 0,4 Prozent der im ersten Quartal 2006 ausgezahlten Summe. Mit dem entsprechenden politischen Willen und der konsequenten Verfolgung von Steuerhinterziehung wären jährlich Mehreinnahmen von mindestens 25 Milliarden Euro möglich. Vielleicht noch diese Zahlen: Die Bundesregierung schätzt den Schaden, der durch die fehlerhaft von der Firma T-Systems programmierte Software A2LL (zur Bearbeitung des ALG II) entstanden ist, auf 28 Millionen Euro, die vertraglich vereinbarte Haftung endet bei fünf Millionen Euro.

Rudolf Hickel, Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft an der Universität Bremen, hält die aktuelle Diskussion über Hartz 4, faule Arbeitslose und hohe Kosten für eine üble Inszenierung | netzeitung.de |. 'Die Große Koalition - maßgeblich Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber – heizt die Debatte immer wieder an. Die Opfer der Arbeitsmarktkrise werden zu Tätern stilisiert. Das ist eine perfide Situation'.

foto : aus Unser Schöner Neuer Wedding | Berlin 1987
link : Hartz IV ist offener Strafvollzug | ooblog

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Mai 15, 2006

Dem Leben Poesie einhauchen

'Manche nehmen Drogen: Religion, Liebe, Alkohol, Gewalt, Geld, Macht,' schreibt Jochen Schmidt für die taz-Serie 'Meine Werte'.
'Aber statt mir damit die Wartezeit zu verkürzen, könnte ich auch gleich aufgeben. Ich setze stattdessen auf Arbeit. Arbeit ist das eine Dogma, an dem ich nicht rütteln lasse, nach dem Verlust des transzendentalen Obdachs in der Moderne. Arbeit natürlich nicht-entfremdet, also Kunst, in welcher Form auch immer'.
weiter ...

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April 19, 2006

Hartz IV ist offener Strafvollzug

In ungewöhnlich scharfer Form hat der Chef der Drogeriekette dm, Goetz Werner, die Hartz-IV-Gesetze kritisiert. In einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern sagte der 62-Jährige: "Hartz IV ist offener Strafvollzug. Es ist die Beraubung von Freiheitsrechten. Hartz IV quält die Menschen, zerstört ihre Kreativität." Es sei ein Skandal, "dass eine rot-grüne Regierung dieses destruktive Element in die Gesellschaft gebracht" habe.
weiter ... | via stern |

Die Diskussion um ein 'bedingungsloses Grundeinkommen' ist nicht neu, verschiedene Gedanken zu diesem Thema lassen bei der attac-AG nachlesen. Populärer ist allerdings nichts am Denkmuster zu ändern, und Arbeitslose zu kriminalisieren oder ihren 'Arbeitswillen' |STN| zu prüfen.

link : Grundeinkommen | Götz Werner
AG : Genug für Alle | Attac

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April 04, 2006

Vollbeschäftigung vielleicht 2030

Wenn Religion Opium fürs Volk ist, dann sind Wirtschaftsprognosen Light-Opiate.
Vollbeschäftigung gibt es in der BRD seit 25 Jahren nicht mehr, und in der DDR konnte sie nur bis 1989 subventioniert werden. Ein Zauber muss der 'Formel Vollbeschäftigung' innewohnen, warum wird sie unisono gepriesen?

Das Schweizer Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos zeichnet in seiner jüngst vorgelegten Studie ein düsteres Bild der Wirtschaftsentwicklung Deutschlands bis ins Jahr 2030:
Deutschland bis 2030 ohne Vollbeschäftigung | netzeitung |
Die 700seitige Prognose geht von der Annahme aus, dass erst 2030 eine Arbeitslosenquote von 6% erreicht werden kann, wenn 'die Politik ab 2010 einen funktionierenden Niedriglohnsektor schafft'.
Interessant ist dabei eigentlich nur der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser 'Studie', wird doch gerade heftigst um die staatliche Subventionierung (Kombilohn) von Niedriglöhnen gestritten. Bereits aktuell erhalten mehr als 900.000 Vollzeit-Erwerbstätige zusätzlich ALG2-Leistungen, da sie mit ihrem Vollzeit-Niedriglohn-Job den notwendigen Lebensunterhalt nicht finanzieren können.
Tatsächlich kann in einem weitgehend deregulierten kapitalistischen Wirtschaftssystem keine sogenannte 'Vollbeschäftigung' erreicht werden, bzw. ist sie nicht wünschenswert.

Zum Vergleich 'Die Thesen für ein bedingungslosen Grundeinkommen' der Initiative 'Freiheit statt Vollbeschäftigung'.

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März 12, 2006

Digitale Selbstausbeutung

Technik verleitet zur Selbstausbeutung
In Zeiten der fortschreitenden Technisierung aller Lebensbereiche ist Ruhe ein Luxus, den man sich nur noch selten gönnt. Der Segen der ständigen Erreichbarkeit ist für viele längst zum Fluch geworden.

Der Arbeitnehmer von heute ist idealtypisch ständig erreichbar, in verschiedenen Netzen unterwegs, geografisch unabhängig und zeitlich flexibel.
weiter ... | via futurezone.ORF |

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März 03, 2006

Themroc

themroc




Der fröhlich-anarchische Kultfilm mit Michel Piccoli in der Rolle des Arbeiters Themroc wird vermutlich im TV nicht mehr zu sehen sein, deshalb sei hier die DVD empfohlen.

Eines Tages hat der Arbeiter Themroc die Nase voll vom monotonen Arbeits-Alltag und verweigert sich der gutbürgerlichen Ordnung: Er verrammelt die Wohnungstür und bricht die Wand zur Strasse auf. Anfangs sind die Nachbarn durch sein ungeniertes freies Leben schockiert, doch bald erfasst die unzivile Radikalität den ganzen Block

THEMROC

Darsteller : Michel Piccoli, Miou-Miou, Beatrice Romand, Marilù Tolo, Francesca Romana Coluzzi, Jeanne Herviale
Regie : Claude Faraldo, Frankreich 1972

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März 01, 2006

Entspannungsmusik für Führungskräfte

Eine Perle am Strand der Esoterik-Insel
Soziale Kompetenz, emotionale Intelligenz, diese sog. Soft-Skills sind es, die eine Führungskraft heute ausmachen. Tanken Sie Kraft, Ausgeglichenheit und Zuversicht. Finden Sie Ihre Insel anspruchsvollster Entspannungsmusik, wo sie loslassen, sich regenerieren. Damit Sie wieder andere begeistern können! Erleben Sie die Eigendynamik Ihrer schöpferischen Kräfte.
| Beschreibung aus esoshop.de |
Vor einer Bestellung sei die Hörprobe empfohlen!

Für Nicht-Führungskräfte sind die schrägen Schwestern Coco Rosie interessanter.

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Januar 23, 2006

Betrunken zur Arbeit

Eine neue Biografie erzählt die Geschichte von Attila Ambrus. Der ungarische Bankräuber begegnete dem osteuropäischen Turbokapitalismus der Neunziger mit Verbrechen, für die er als moderner Robin Hood gefeiert wurde.
weiter ...
Von Maik Söhler für die NETZEITUNG

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Januar 17, 2006

Plötzlich evangelisch

space picture
So funktioniert Kapitalismus — mit Hilfe und Segen der Kirchen
Das Essener Krupp-Krankenhaus wird plötzlich evangelisch: »Die Dreistigkeit, mit der »Arbeitgeber« — private wie auch öffentliche — die demokratischen Rechte ihrer Beschäftigten mit Füßen treten, kennt offenbar keine Grenzen. Ein aktueller, besonders spektakulärer Fall betrifft das Essener Krupp-Krankenhaus, dessen Geschäftsleitung der erstaunten Belegschaft kürzlich den Übertritt vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zum Diakonischen Werk Rheinland bekanntgab. Die Folge: Statt des Betriebsverfassungsgesetzes gelte nun Kirchenrecht, der Betriebsrat sei mit sofortiger Wirkung aufgelöst und auf Neueingestellte werde der für die Beschäftigten schlechtere, kirchliche Tarifvertrag angewendet.« Halleluja! [Junge Welt]

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Januar 02, 2006

Mehr Arbeiten, Deutsche !

race Touareg|foto:ap

"Wir arbeiten in Deutschland insgesamt zu wenig, deutlich weniger als alle Länder, mit denen wir auf den Weltmärkten im Wettbewerb liegen", sagte Hundt (Präsident des BDA, die Red.) im Interview der Woche des Deutschlandfunks.
Insgesamt fasst die NETZEITUNG die alten Arbeitgeber-Argumente auf bestechend naive Weise zusammen:
Mehr Arbeit führt zu höherem Wirtschaftswachstum und dadurch zu mehr Arbeitsplätzen.

In der Frankurter Rundschau beklagt der Migrationsforscher Klaus Bade die zunehmende Abwanderung von Hoch- und Höchst-Qualifizierten ins Ausland, "besonders in die Vereinigten Staaten. Vor allem bei Experten der Informationstechnologie wächst dabei der Trend zur dauerhaften Abwanderung."
Es scheint, die Deutschen haben nicht nur ein Zuwanderungs- sondern auch ein Abwanderungsproblem.

Wo doch seit mindestens einem Hartz IV-Jahr es allen so gut geht, wie es die FAZ in 'Die Mär vom großen Sozialabbau' schreibt: "Die angebliche Sozialkürzung entpuppt sich sogar als größte wohlfahrtsstaatliche Umverteilung seit langem. ... Vor allem für arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger hat sich die Situation mit der Einführung des neuen Arbeitslosengeldes II verbessert. Einmalige Leistungen, die sie früher von Fall zu Fall gesondert beantragen mußten, bekommen sie jetzt regelmäßig - dafür wurden die Regelsätze angehoben. Monatlich gibt es also mehr in die Haushaltskasse. Und neben der Regelleistung von 345 Euro im Monat übernehmen die Arbeitsagenturen Miete und Nebenkosten und zahlen die Sozialversicherungsbeiträge."
So Carsten Germis in seinem sicher vielzitierten Neujahrs-Artikel.

Sie werden sich nun sicher fragen, was das Foto mit diesen Texten zu tun hat?
Wenn ich Sie schon mit derart drögen Szenarien der Arbeitswelt zum Jahresbeginn langweilen muss, so konnte ich Sie doch zumindest mit dem schnittigen Bild des Race-Touaregs locken (Foto: Jutta Kleinschmidt im Race Touareg|ap)
Kleinschmidt macht Boden gut |NETZEITUNG|, das ist doch 'mal eine positive Nachricht, oder?

Ich wünsche Ihnen ein buntes, herausfordernd gutes Neues Jahr 2006,
Uwe Haack

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Oktober 07, 2005

Ab 2020 völlig losgelöstes Arbeitsleben

Brother-Präsident Yuji Furukawa orakelte am Donnerstag auf einer Londoner Tagung: "Das einzige, was an der Zukunft gewiss ist, ist der Wechsel" | via Technology review |.
Die Basis der relativen Gewissheit ist nun die von Brother gesponserte Untersuchung der Future Foundation "The Future of Teleworking". Die Untersuchung stützt sich -- abgesichert durch Literaturrecherchen über den Zeitraum von 1997 bis 2005 -- auf zehn Experteninterviews ... weiter
Faszierend an dieser Untersuchung ist die Aussage vom Chef-Futurologen dieser Studie Paul Flatters, dass der klassische Telearbeiter durch einen neuen Typus ersetzt werde: den FreE-worker. "Wir werden in Zukunft nicht mehr zur Arbeit gehen, sondern einfach einen bestimmten Job erledigen", glaubt Flatters: "Das wird unsere Autonomie vergrößern". Ian Pearson, Chef-Futorologe der British-Telekom, setzt noch einen 'drauf: "Was wir bekommen, ist so eine Art Total-Recall-Technologie. Aber wenn das dazu führt, dass ich mich zu Hause genauso fühle wie an meinem Arbeitsplatz, habe ich damit das Problem gelöst".
Aber meine Herren, bringen Sie in der Aufregung nicht etwas durcheinander, und woher ein derartiger Optimismus?
Es muss heißen : ...dazu führt, dass ich mich an meinem Arbeitsplatz genauso WOHL fühle wie zu Hause, habe ich ein wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Am Ziel bin ich noch nicht!
Einig sind sich offenbar alle, dass es künftig ganz toll wäre, wenn jeder FreE-worker seinen Arbeitsplatz selbst finanziert, das hält den Unternehmen den Rücken für ihre kostenintensiven Zukunftsforschungen und Management-Workshops frei.

Ich finde den Artikel prima, und werde mir noch vor dem Wochenende eine Glaskugel kaufen. Mein Blog ist jetzt ein 'INSTITUT FÜR FREIZEIT- UND ARBEITSFORSCHUNG'.

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September 22, 2005

Die (Arbeits)welt in Zahlen

Nie wieder Vollbeschäftigung! Wir haben Besseres zu tun. Das aktuelle brand eins Magazin 7/2005
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September 21, 2005

Erfahrung ist gefragt

Gläserne Bonbonfabrik sucht Arbeiter ab 45. Na, das ist doch eine positive Nachricht, oder?

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