November 02, 2006

Klimakiller Unterschicht

Mit der naiven Frage "Warum tut der Mensch so wenig, um den Klimawandel zu bekämpfen?" beginnt Holger Gertz seinen Artikel Spaß bis zum Absaufen für die SZ. "Seine Bereitschaft, an Wahrheiten vorbeizuschauen, ist sehr groß, wenn er aus dem Weggucken Profit ziehen kann."
Gertz führt die "Spaßterroristen beim Fernsehen" und ihr zeitgeistiges Publikum mit Szene-Bier und Arschgeweih vor, die froh darüber sind, in einem Oktober mit 25 Grad "echt nich' mehr nach Malle" fliegen zu müssen, und abends bei Volksmusiksendungen und albernen Quizshows vom gelangweilten Alltag entspannen.

Gertz folgert richtig, dass Betroffenheitsjournalismus keine Quote bringt, Unterschichten-TV funktioniert nur mit einfacher Unterhaltung. In dieser Programm-Schiene würde man seine Anmerkungen allerdings auch nicht verstehen, sie sind zu uncool "Is doch supi, so"n ultralanger Sommer".

Gertz lässt Kommunikationsforscher von einer Wissenskluft sprechen "die weniger Gebildeten glauben sowieso immer, sie könnten nichts tun ... zu viele entmutigende Erfahrungen", und die Oberschicht fährt mit geregeltem Katalysator.
Alles klar, der Unterschicht fehlt es an Problembewusstsein, und die Gebildeten sind skeptisch gegenüber Horrormeldungen, deshalb passiert nix. Eine wirklich einfache (medien)Welt mit stilsicherer Betroffenheit vorgetragen. Wie wäre es mit zeitraubender Recherche zum Thema, z.B. Ökonomie trifft Ökologie?

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